Monatsarchiv: März 2014

Vom Regen in die Traufe

„Ach, das Buch ist sicher total doof und langweilig! Ich glaube nicht das es mir gefällt.“

Warum will niemand das schöne Buch „Wunder“ lesen? Einige sagten doch glatt es sei wegen dem komischen Cover. Hallo?

Ich lies mich also auf einen Deal ein. Die Mädels lesen „Wunder“ und ich lese im Gegenzug ein Buch das ich doof finde und sie es total lesenswert.

Was soll ich sagen, sie fanden „Wunder“ wirklich sehr gut und kamen mir einem breiten Grinsen auf mich zu.

„Jetzt sind Sie aber dran!“ 

Ich ahnte es, es wird schrecklich, kitschig und bestimmt tauchen glitzernde, milchgesichtige Vampire auf!

Sie legten mir „Seelen“ auf die Theke. 912 Seiten zuckerwattiges Mädchenkopfkino!

Ich biss die Zähne zusammen und fügte mich meinem Schicksal. Inzwischen habe ich die ersten 200 Seiten gelesen und es ist nicht ganz so schlimm wie „Twillight“. Jeden Tag werde ich ausgefragt was passiert sei, wir wollen ja nicht das die Kampfbibliothekarin mogelt und einfach nur sagt sie hätte es gelesen. 

Ich werde es überleben und wenn ich die Mädels dazu bringe etwas ausserhalb der Vampir-Werwolf-Romantik-Endzeit-Ecke zu lesen ist es mir das auf alle Fälle wert.

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Wie die Zeit verfliegt

Nun habe ich gefühlt seit 400 Jahren nichts mehr von mir hören lassen und bitte meine werte Leserschaft um Verzeihung. Es gibt mich noch und ich lebe. So weit so gut.

Ich hatte wie es das reale Leben so will viel um die Ohren mit Kampfzwergen, jobwechselndem Kampfgatten, einem mehr als renitenten Kater (ich weiß, ich erfülle das Cliché der Bibliothekarin mit Hauskatze) und ich hatte etwas zu knabbern an einer Geschichte die hier vorgefallen ist.

Von diesem Fall möchte ich jetzt ein wenig erzählen.

Ich hatte sehr oft einen Schüler in der Bibliothek, er las sehr viel, war sehr interessiert an Empfehlungen d.h. er las auch mal ein paar „Klassiker“. Er verkroch sich regelrecht in den hintersten Ecken was mir mehr als seltsam vorkam. Zu seinen Mitschülern hatte er allerdings sehr guten Kontakt, er wurde begrüßt und unterhielt sich mit anderen, beim Mittagessen saß er nie alleine. Ich war etwas ratlos über sein Verhalten in der Bibliothek. Er beteuerte immer wieder es sei alles in Ordnung und er wolle nur in Ruhe lesen.

Eines nachmittags kam dann eine Betreuerin aus dem Ganztagesteam zu mir und fragte nach dem Schüler. Da ich etwas in Sorge war erzählte ich von seinem etwas merkwüdigen Verhalten.  Ich meinte noch „Als würde er sich vor jemandem verstecken.“  „Ja, vor mir!“ Diese Antwort lies mich dann etwas dumm aus der Wäsche gucken. Es kam raus dass der Junge von seinen Eltern nicht zur Nachmittagsbetreuung angemeldet wurde und sie sich weigerten ihn anzumelden. Sie verbaten ihm aber auch gleichzeitig sich bis 17 Uhr in der Stadt rumzutreiben. Versicherungstechnisch ist es allerdings so dass Schüler bis zur 9. Klasse ab 14:45 Uhr das Gebäude zu verlassen haben. Somit trieb der arme Kerl sich immer irgendwo im Schulgebäude rum, immer darauf bedacht nicht erwischt zu werden.

Die Eltern wurden schon mehrfach zum Gespräch gebeten und es wird wohl darauf hinaus laufen dass sie versuchen die Zeit bis zu den Sommerferien zu ziehen denn dann ist der Schüler in der 9. Klasse und muss nicht angemeldet werden.

Über Sinn und Unsinn dieser Regelung mit der 9. Klasse kann man nun streiten, Fakt ist, für mich zumindest, dass die Eltern hier eine ganz neue Art der Verwahrlosung betreiben. Ein Kind so unter Druck zu setzen dass es sich von Unterrichtsende bis zum Feierabend von Mama oder Papa wie ein Verbrecher verstecken muss ist wirklich nichts Schönes.

Die Schulleitung setzt natürlich auch alles daran zu beweisen dass der Junge sich ohne Genehmigung und Bezahlung im Gebäude aufhält. Mein Vorschlag dass er ehrenamtlich (wie in einer AG) in der Bibliothek arbeiten und neue Bücher rezensieren könnte wurde von der Schulleitung abgelehnt. Somit fällt meine Hilfe für ihn etwas hilflos aus. Mehr als ihn ignorieren wenn ich ihn auf dem Gang sehe oder zu verneinen dass er nach 14:45 Uhr in der Bibliothek war kann ich nicht tun. Ich habe ihm erklärt dass es auch versicherungstechnische Gründe hat und es richtig Ärger geben kann wenn ihm was passiert aber er meinte nur „Meine Eltern sehen es nicht ein, was soll ich tun?“ An den Vertrauenslehrer oder den Schulpsychologen will er sich auch nicht wenden. Ich habe nun mit dem Ganztagesteam die Abmachung getroffen dass wir ihn nicht mehr melden um ihm diesen Druck zu nehmen. Was ihn natürlich nicht vor dem Schulleiter schützt der regelmäßig seine Rundgänge macht.

Ich hoffe ihn stressen die letzten 6-4 Monate nun nicht zu sehr und werde mich freuen wenn er dann im Herbst entspannt in der Leseecke sitzen kann und in Ruhe sein Buch liest.

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