Wie die Zeit verfliegt

Nun habe ich gefühlt seit 400 Jahren nichts mehr von mir hören lassen und bitte meine werte Leserschaft um Verzeihung. Es gibt mich noch und ich lebe. So weit so gut.

Ich hatte wie es das reale Leben so will viel um die Ohren mit Kampfzwergen, jobwechselndem Kampfgatten, einem mehr als renitenten Kater (ich weiß, ich erfülle das Cliché der Bibliothekarin mit Hauskatze) und ich hatte etwas zu knabbern an einer Geschichte die hier vorgefallen ist.

Von diesem Fall möchte ich jetzt ein wenig erzählen.

Ich hatte sehr oft einen Schüler in der Bibliothek, er las sehr viel, war sehr interessiert an Empfehlungen d.h. er las auch mal ein paar „Klassiker“. Er verkroch sich regelrecht in den hintersten Ecken was mir mehr als seltsam vorkam. Zu seinen Mitschülern hatte er allerdings sehr guten Kontakt, er wurde begrüßt und unterhielt sich mit anderen, beim Mittagessen saß er nie alleine. Ich war etwas ratlos über sein Verhalten in der Bibliothek. Er beteuerte immer wieder es sei alles in Ordnung und er wolle nur in Ruhe lesen.

Eines nachmittags kam dann eine Betreuerin aus dem Ganztagesteam zu mir und fragte nach dem Schüler. Da ich etwas in Sorge war erzählte ich von seinem etwas merkwüdigen Verhalten.  Ich meinte noch „Als würde er sich vor jemandem verstecken.“  „Ja, vor mir!“ Diese Antwort lies mich dann etwas dumm aus der Wäsche gucken. Es kam raus dass der Junge von seinen Eltern nicht zur Nachmittagsbetreuung angemeldet wurde und sie sich weigerten ihn anzumelden. Sie verbaten ihm aber auch gleichzeitig sich bis 17 Uhr in der Stadt rumzutreiben. Versicherungstechnisch ist es allerdings so dass Schüler bis zur 9. Klasse ab 14:45 Uhr das Gebäude zu verlassen haben. Somit trieb der arme Kerl sich immer irgendwo im Schulgebäude rum, immer darauf bedacht nicht erwischt zu werden.

Die Eltern wurden schon mehrfach zum Gespräch gebeten und es wird wohl darauf hinaus laufen dass sie versuchen die Zeit bis zu den Sommerferien zu ziehen denn dann ist der Schüler in der 9. Klasse und muss nicht angemeldet werden.

Über Sinn und Unsinn dieser Regelung mit der 9. Klasse kann man nun streiten, Fakt ist, für mich zumindest, dass die Eltern hier eine ganz neue Art der Verwahrlosung betreiben. Ein Kind so unter Druck zu setzen dass es sich von Unterrichtsende bis zum Feierabend von Mama oder Papa wie ein Verbrecher verstecken muss ist wirklich nichts Schönes.

Die Schulleitung setzt natürlich auch alles daran zu beweisen dass der Junge sich ohne Genehmigung und Bezahlung im Gebäude aufhält. Mein Vorschlag dass er ehrenamtlich (wie in einer AG) in der Bibliothek arbeiten und neue Bücher rezensieren könnte wurde von der Schulleitung abgelehnt. Somit fällt meine Hilfe für ihn etwas hilflos aus. Mehr als ihn ignorieren wenn ich ihn auf dem Gang sehe oder zu verneinen dass er nach 14:45 Uhr in der Bibliothek war kann ich nicht tun. Ich habe ihm erklärt dass es auch versicherungstechnische Gründe hat und es richtig Ärger geben kann wenn ihm was passiert aber er meinte nur „Meine Eltern sehen es nicht ein, was soll ich tun?“ An den Vertrauenslehrer oder den Schulpsychologen will er sich auch nicht wenden. Ich habe nun mit dem Ganztagesteam die Abmachung getroffen dass wir ihn nicht mehr melden um ihm diesen Druck zu nehmen. Was ihn natürlich nicht vor dem Schulleiter schützt der regelmäßig seine Rundgänge macht.

Ich hoffe ihn stressen die letzten 6-4 Monate nun nicht zu sehr und werde mich freuen wenn er dann im Herbst entspannt in der Leseecke sitzen kann und in Ruhe sein Buch liest.

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Buchtipp

wunder

 

 

 

Heute möchte ich euch ein wirklich tolles Buch vorstellen.

Es geht um August, er leidet am sog Treacher-Collins-Syndrom. Sein Gesicht ist also deformiert. August wurde bisher zuhause von seiner Mutter unterrichtet und soll nun mit 10 Jahren in die Schule gehen.

Das Buch beschreibt nun wie August das meistert, welche Widerstände und offene Feindseligkeit er erdulden muss aber auch wie er Freunde gewinnt. Das Buch hat mich wirklich sehr berührt und auch wenn es teilweise etwas verkitscht amerikanisch rüberkommen mag, man kann sehr viel von August und seinem Umfeld lernen. Die Autorin schreibt so einfühlsam und mitreißend dass ich wirklich an ein paar Stellen weinen musste.

Toleranz, als Wort, fehlt gänzlich, kein erhobener Zeigefinger der einen schon mal nerven kann. Das Wort Freundlichkeit wird öfter verwendet und aus einfacher Freundlichkeit wächst eine Akzeptanz und „Normalität“ die wirklich ans Herz gehen und einen auch eigene Reaktionen reflektieren lässt.

Das Buch ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet und auch empfehlenswert.

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Endlich eine Leseecke

Liebe Leser,

der Weihnachtsmann war auch in der Bibliothek. Nachdem ich den Direktor (den Neuen, ihr erinnert euch?) wochenlang bearbeitet habe und ein total schönes Gratissofa als Trumpf hatte wurde der Schulbibliothek endlich die Leseecke genehmigt. Das Pädagogenteam der Nachmittagsbetreuung half auch noch dabei den Direktor von der Notwendigkeit einer gemütlichen Leseecke zu überzeugen.

Zusammen mit einem treuen Leser der ersten Stunde (danke an Oli, Bier wird heute Abend im Training geliefert) brachten wir das Monstersofa zur Schule. Ich hatte das Sofa ehrlich gesagt etwas kleiner in Erinnerung und wir hatten etwas zu kämpfen. Der uralte Aufzug brachte mich mit diversen Aussetzern auch ganz schön ins Schwitzen und an den Rand einer Schnappatmung. Endlich im Bestimmungsstockwerk angekommen wurden lustlose Schüler durch die Erscheinung von meinem Helfer gleich zu lammfrommen und fleißigen Helfern. Ich glaube die hätten das Sofa noch neu bezogen wenn der riesige Kampfsportverteran sie darum gebeten hätten. Tagelang schauten mich diese Schüler noch mit einem Ausdruck von Unglauben und Respekt an. Ich habe sie einfach in dem Glauben gelassen dass dieser große, breite Kerl mein Mann sei. Oli wird mir das sicherlich verzeihen 😉 und mir diese kleine Schadenfreude gönnen.

Die Schulbibliothek habe ich dann zusammen mit ein paar Schülern umgestellt und umgestaltet. Es hängen nun Poster und Bilder an den Wänden und demnächst gibt es noch eine Pinnwand mit Rezensionen. Das war eine Idee einer Schülerin die fast alle Pausen und Freistunden in der Bibliothek ist und liest.

Das Sofa kam natürlich toll an und die Schüler die nun nachmittags zum lesen kommen wissen sie auch sehr zu schätzen. Schuhe werden ausgezogen, es wird pfleglich mit den Kissen umgegangen und wir haben viel mehr „Stammgäste“ die mal in einer Freistunde zum lesen kommen anstatt sich in der Cafeteria die Zeit zu vertreiben.

Ich selbst bin überglücklich nach nunmehr fast 8 jährigen Bemühungen, unzähligen Mails und Konzeptvorschlägen endlich einen kleinen Sieg errungen zu haben. Die Leseecke lag mir sehr am Herzen und bereichert die Bibliothek ungemein.

Ich hoffe sehr das ihr alle schöne Weihnachten hattet und so gut ins neue Jahr gestartet seid.

 

Eure Kampfbibliothekarin

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Sabotage!

Aufgeregtes Gekreische im Flur. Ein Schüler kommt rein und brüllt „Draußen ist überall Wasser!“

Ich war sofort alarmiert. Seit vor 6 Jahren die gesamte Schule unter Wasser stand (auch die Bibliothek) ist mit dem Thema nicht zu spaßen.

ich bin fast über die Theke gesprungen und stand kurz hinter der Bibliothekstür schon im Wasser. Zwei Schüler aus der 6. Klasse standen mit panischem Gesicht im Flur und wussten nicht so recht was zu tun ist. Das Wasser kam aus der Jungstoilette. Ich bin schnell rein geschliddert und sah dann die Ursache der Überschwemmung. Jemand hatte den Überlauf und den Ablauf eines Handwaschbeckens mit Papierhandtüchern verstopft und den Wasserhahn voll aufgedreht. Eindeutig Sabotage und nicht mehr in der Kategorie Dummer-Jungenstreich einzuordnen.

Eine Klasse ist vollgelaufen und der gesamte Flur stand unter Wasser. Es dauerte über eine Stunde alles zu beseitigen. Ich musste die beiden „Entdecker“ dann sogar noch in Schutz nehmen. Ein etwas übereifriger Pädagoge aus der Ganztagsbetreuung dachte er sei Sherlock oder Nick Knatterton und verdächtigte die beiden. Er meinte auch wer so tut als hätte er die „Missetat“ (sagte er wirklich, aber das machte ihn mir nicht sympathischer) entdeckt, der sei nicht automatisch unschuldig. Lieber Himmel! Die Jungs waren völlig durch den Wind und sind sehr oft in der Bibliothek und wirklich keine Kandidaten für so eine Aktion.

Vom Direktor erfuhr ich dann dass es wohl zur Zeit eine ganze Serie solcher „Streiche“ gibt. Blödsinn hin oder her aber bei sowas hört der Spaß echt auf! Ich war froh das nicht mehr passiert ist und diesmal die Bibliothek verschont blieb.

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Bibi hat’s drauf

Während eines Rundgangs schlich sie sich rein.

Plötzlich quäkt es aus einer Ecke „Ähm, ich brauche Hilfää!“ Reflexartig bekam ich eine Gänsehaut und überlegte ob ich noch irgendwo Schokolade hatte. Ich atmete kurz durch und machte mich auf den Weg zum Rechner an dem Bibi saß.

Auf halbem Weg kam sie mir schon entgegen, wie immer mit ihrem nicht vorhandenen Gespühr für den nötigen Abstand, kam sie mir wieder in meine Komfortzone. 10 cm Abstand sind definitv zu wenig. Ich versuchte mich etwas größer zu machen und sie damit auf Abstand zu halten. Mit was werden die Kinder denn gefüttert das sie in der 6. Klasse annähernd so groß sind wie ich?

„Der Computer geht nicht und alles dauert so lang und das nervt“

„Zeig mir bitte mal an welchem Rechner du sitzt und dann schaue ich mir das mal an“

Als ich am Rechner ankam bot sich mir ein mehr als seltsames Bild. Ganze 43 mal war der Internetexplorer offen und der arme Rechner völlig überlastet und überfordert.

Bibi klickte dann noch munter schnell 10 Mal auf den Explorer „Sehen Sie?“

Wtf?

„Warum drückst du denn so oft auf den Explorer?“

„Na, das ging halt nicht sofort auf. Auf meinem IPad geht das immer schneller.“

Tief einatmen! Nicht ausflippen! Ganz ruhig! Zur Not gibts Schokolade am Automat!

Ich erklärte ihr das sie schon etwas Geduld haben müsste und verzichtete darauf den Rechner per Knopfdruck zu erlösen sondern sagte Bibi sie solle nun warten bis der Rechner reagiert und dann müsse sie alle überflüssigen Fenster schließen.

Ein leise kichernder Oberstufenschüler meinte zu mir er würde ihr dabei helfen und mit ein kleinen Lächeln ging ich zurück zu meiner Theke.

Bibi hat’s halt voll drauf – die Kampfbibliothekarin aber auch.

Schokolade habe ich übrigens dann doch nicht gebrauch.

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Fettnäpfchen

Ein Schüler geht an der Theke vorbei und hat ein wunderbares Federmäppchen unterm Arm. Es sah aus wie ein gerupftes, totes Huhn. Ich war ganz angetan davon und sprach ihn darauf an wo er dieses Hühnermäppchen her hat.

Der Arme wurde ganz rot im Gesicht und schaute mich sehr wütend an.

„Das ist ein Drache und den habe ich selbst genäht!“

 

Upppppssss!

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GENau du – weiter geht’s!

Da ich schon seit einigen Jahren registriert bin nutze ich die Gelegenheit hier mal für dieses tolle Projekt Werbung zu machen. Der Aufwand ist minimal und eine Spende ist schmerzfreier als man glauben mag. Also registrieren und Held sein im Kampf gegen Krebs!

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